Ein Leben für die Gemeinschaft: Die Töster Bürgerstiftung verleiht einmal jährlich den Töster Bürgerpreis an Menschen, die sich mit besonderem Einsatz ehrenamtlich für die Gemeinde engagieren. Im Mittelpunkt stehen dabei häufig diejenigen, die lieber im Hintergrund wirken, statt selbst im Rampenlicht zu stehen. Mit dem Preis möchte die Stiftung genau diesen Menschen Anerkennung schenken und ihr Engagement sichtbar machen.

In diesem Jahr fiel die Wahl auf Ernst Riebandt – einen Mann, dessen Einsatz für Tostedt seit Jahrzehnten kaum wegzudenken ist.

„Tostedt ist durch sein Tun und sein Wirken jeden Tag ein bisschen besser geworden“, würdigte Till von Rennenkampff, Vorsitzender der Töster Bürgerstiftung, den Preisträger in seiner Laudatio. Tamara Boos-Wagner beschrieb ihn als einen Menschen, der vielen Tostedtern durch seine Gutmütigkeit, seine drollig-nette Art und vor allem seine Bescheidenheit bekannt sei. Gerade diese Zurückhaltung führe jedoch dazu, dass sein außergewöhnliches Engagement bisweilen unterschätzt werde.

Ein bewegter Lebensweg und tiefe Verbundenheit mit Tostedt

Ernst Riebandt wurde am 26. August 1948 in Danzig geboren. Als Neunjähriger kam er über das Lager Friedland nach Deutschland und gelangte zunächst nach Buchholz. Nach dem Ende seiner Schulzeit begann er eine Ausbildung beim Tostedter Amtsgericht. Durch kontinuierliche Weiterbildung entwickelte er sich beruflich weiter, wurde Beamter auf Lebenszeit und war an verschiedenen Amtsgerichten tätig – in Jork, Winsen (Luhe), Lüneburg und Rotenburg (Wümme). 1976 kehrte er beruflich nach Tostedt zurück, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2014 als Justizinspektor tätig war.

Doch sein Wirken für die Gemeinschaft beschränkte sich nie auf den Beruf. Ernst Riebandt ist unter anderem Mitglied der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, des MTV, des TSV, des Deutschen Roten Kreuzes und der CDU. Darüber hinaus engagiert er sich als Alltagsbegleiter, bringt sich aktiv in die katholische Kirche ein und übernimmt dort die Aufgabe des Chronisten in der Herz-Jesu-Kirche. Regelmäßig fährt er Seniorinnen und Senioren zu Veranstaltungen und sorgt dafür, dass sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Auch politisch ist er seit vielen Jahren eine feste Größe: Mit lediglich drei Jahren Unterbrechung gehört er seit mittlerweile 42 Jahren dem Gemeinderat an. Eine weitere Herzensangelegenheit ist der traditionelle Laternenumzug am St.-Martinstag, den er seit 33 Jahren organisiert.

Sein Einsatz zeigt sich dabei keineswegs nur bei offiziellen Anlässen oder in Vereinsgremien. Wer in Tostedt unterwegs ist, kann Ernst Riebandt durchaus auch einmal mit Leiter, Eimer und Lappen antreffen. Denn wenn Straßenschilder verschmutzt sind, wartet er nicht darauf, dass sich jemand anderes darum kümmert – er greift kurzerhand selbst zum Putzlappen.

Wie sehr sein Engagement auch das Familienleben geprägt hat, brachten seine Kinder mit viel Humor auf den Punkt. „Vati hat in seinem Leben alles gemacht, außer Urlaub“, stellte Tochter Jessica lachend fest. Sohn Christopher ergänzte: „Sein Zuhause war eher (nur) eine Ladestation zwischen zwei Terminen.“ Und tatsächlich: „Stillsitzen und Nichtstun gehören nicht zu Vatis Stärken“, brachte er es treffend auf den Punkt.

Große Anerkennung für einen besonderen Menschen

Dass Ernst Riebandt weit über seinen eigenen Wirkungskreis hinaus geschätzt wird, zeigten die zahlreichen persönlichen Worte der Gäste während der Feierstunde.

Jan Bauer, Mitglied des Niedersächsischen Landtages für die CDU, betonte: „Jeder kann wohl eine Anekdote über Ernst erzählen. Wenn jeder eine Scheibe von Ernst hätte, wäre die Welt ein Stück weiter besser.“

Auch Tostedts Bürgermeisterin Nadja Weippert fand deutliche Worte der Anerkennung: „Er ist immer da, wo er gebraucht wird. Ernst, du bist aus Tostedt nicht wegzudenken.“

Bernd Rohde, ehemaliger Geschäftsleiter des Tostedter Amtsgerichts, sprach ebenfalls seine Glückwünsche aus und bezog dabei auch Joachim Pittelkow mit ein: „Ernst hat es verdient, diesen Preis zu erhalten. Wenn wir mehr hätten wie Ernst, müssten wir uns um die Gesellschaft keine Sorgen machen.“

Dieter Weis, ehemaliger Vorsitzender des DRK, hob die Bedeutung der Auszeichnung hervor: „Der Bürgerpreis ist eine tolle Möglichkeit, stilles Engagement sichtbar zu machen.“ Heiner Schönecke, ehemaliges Mitglied des Niedersächsischen Landtages für die CDU, brachte seine Wertschätzung mit den Worten auf den Punkt: „Du hast es verdient, dass sie dich heute auszeichnen.“

Till von Rennenkampff bezeichnete Ernst Riebandt schließlich als „ein großes Vorbild für soziales und tatkräftiges Engagement“.

Ein würdiger Rahmen für eine besondere Ehrung

Für den passenden musikalischen Rahmen sorgten Till von Rennenkampff und Tamara Boos-Wagner mit mehreren musikalischen Einlagen. Darunter war auch der Klassiker „What a Wonderful World“ – ein Lied, das an diesem Abend eine besonders schöne Bedeutung bekam.

Die Ehrung machte deutlich, was ehrenamtliches Engagement bewirken kann: Es sind nicht immer die großen Gesten, die eine Gemeinschaft zusammenhalten. Oft sind es Menschen, die selbstverständlich anpacken, Verantwortung übernehmen und für andere da sind, ohne dafür Anerkennung zu erwarten.

Ernst Riebandt ist genau ein solcher Mensch. Mit seinem jahrzehntelangen Einsatz, seiner Hilfsbereitschaft und seiner tiefen Verbundenheit mit Tostedt hat er die Gemeinde nachhaltig geprägt. Der Töster Bürgerpreis würdigt deshalb nicht nur seine zahlreichen Aktivitäten, sondern vor allem eine Haltung: sich kümmern, mitdenken und handeln – und das am liebsten ganz ohne großes Aufheben darum zu machen.